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Harnsäureproblematik beim Dalmatiner


(von Dr. Vera Engelbertz)dalmi


Der Dalmatiner gehört im Allgemeinen zu den sehr gesunden Hunderassen, aber wie viele andere Rassen hat auch der Dalmatiner seine Besonderheiten. Für den Halter ist es deshalb wichtig, über diese Eigenheiten Bescheid zu wissen, um Krankheiten vorbeugen zu können und im Krankheitsfall richtig handeln zu können.
Eine Besonderheit des Dalmatiners ist, dass er etwas mit uns Menschen im Gegensatz zu allen anderen Hunderassen gemeinsam hat – er scheidet zu viel Harnsäure im Urin aus! Ein Gerücht besagt, dass das der Grund ist, dass Dalmatiner in unserer Menschennase nicht so sehr nach „Hund“ riechen, wie andere Hunderassen, ob das stimmt, man kann ja mal schnüffeln ;).

Beim Menschen kann eine zu hohe Harnsäure zur Gicht führen, beim Dalmatiner kann es zu Steinen in der Blase, der Niere oder des restlichen Urogenitalsystems sowie letztlich zum Nierenversagen kommen.
Warum das so ist, was man vorbeugend dagegen tun kann und was im Krankheitsfall zu tun ist, soll hier erläutert werden.
Warum scheidet der Dalmatiner zu viel Harnsäure im Urin aus und was passiert genau?         

Dalmatiner haben eine, bzw. wahrscheinlicher sogar mehrere genetische Veränderungen, die die Purinverarbeitung stören, so dass vermehrt Harnsäure mit dem Urin ausgeschieden wird (Hyperurikosurie).

Purine sind Bestandteile der Nukleinsäuren, kommen also in der DNA und RNA, also der Erbsubstanz der Zellen, vor. Tierische Lebensmittel enthalten diese besonderen Eiweißbestandteile vor allem in der Haut und in Innereien, hier ist der Gehalt an Purinen besonders hoch. Purine können aber auch vom Körper selbst gebildet werden, da sie wichtige Bestandteile der Zellen sind.

Eiweiße/Proteine in der Nahrung werden durch den Verdauungsapparat des Hundes in die Grundbestandteile zerkleinert, die Purine Adenosin und Guanin werden dann durch Enzyme weiter gespalten, so dass über das Zwischenprodukt Harnsäure letztlich das gut im Urin lösliche Allantoin entsteht, das durch die Niere dann problemlos ausgeschieden werden kann.

Beim Dalmatiner sorgt aber ein genetischer Defekt dafür, dass die Umwandlung von Harnsäure in Allantoin nicht richtig funktioniert. Das Enzym Urikase, das Harnsäure zu Allantoin konvertiert, ist in Leberzellen (Peroxisomen) gespeichert. Die Harnsäure muss in die Leberzellen transportiert werden, damit Harnsäure in Allantoin umgewandelt werden kann. Dalmatiner haben normale Urikasewerte im Vergleich zu anderen Hunderassen, aber Dalmatiner haben einen abnormalen Harnsäuretransport über die Lebermembran in die Leberzelle hinein. Außerdem scheinen Dalmatiner weniger Harnsäure in den proximalen Nierentubuli zu reabsorbieren und haben noch zusätzlich auf Grund eines Membrantransportdefekts eine aktive Ausscheidung von Harnsäure in den distalen Nierentubuli. D. h. zusätzlich zum Transportproblem in die Leberzellen hinein, das zu einer verminderten Umwandlung von Harnsäure in Allantoin führt, gibt es noch ein weiteres Problem in der Niere. Es wird in der Niere weniger Harnsäure aus dem Harn zurück ins Blut geleitet im Vergleich zu dem Nierensystem bei anderen Hunden, und zusätzlich wird noch vermehrt Harnsäure aus dem Blut in den Urin durch die Niere ausgeschieden im Vergleich zu anderen Hunderassen.
Diese drei Probleme, also ein Lebertransportproblem der Harnsäure, eine verminderte
Reabsorption und eine aktive vermehrte Ausscheidung der Harnsäure durch die Niere führt somit zu einem erhöhten Harnsäuregehalt im Urin. Dalmatiner nehmen eine Mittelstellung zwischen Menschen und Hunden anderer Rassen ein, insofern, dass sie Allantoin zu Harnsäure im Verhältnis 1:2 bis 1:3 ausscheiden. Studien zeigen, dass Hunde normalerweise
zwischen 15 und 40 mg/Tag Harnsäure im Urin ausscheiden, Dalmatiner jedoch zwischen 300 und 800 mg/Tag (1).
 
Hier der Ablauf der Enzymkette vom Purin bis zum Ausscheidungsprodukt:        

Adenosin -> (Enzym Adenosin-desaminase) Inosin -> (Enzym Nucleosid-phospharylase)
Hypoxanthin -> (Enzym Xanthin-oxidase) Xanthin -> (Enzym Xanthin-oxidase) -> Harnsäure ->(Enzym Urikase) //Allantoin Guanosin - >(Enzym Nucleosid-phosphorylase) Guanin ->
(Enzym Guanin-desaminase) Xanthin, dann s.o.
Wie, wo und wie oft entstehen Steine im Urintrakt von Dalmatinern?     

Die prozentuelle Häufigkeit von Dalmatinern mit auf Steinbildung zurückzuführenden Symptomen und Erkrankungen ist nicht bekannt. Bezogen auf die amerikanische Population wird eine Häufigkeit von ca. 25 % angenommen, allerdings ist nicht bekannt, ob dies unter- oder überschätzt ist. Eine symptomatische Steinbildung im Urinsystem tritt am häufigsten im 2.Lebensjahr des Hundes auf. Im Gegensatz zu den Struvitsteinen, die bei allen anderen Hunderassen als häufigste Steinart im Urinsystem vorkommen, sind die häufigsten Steine beim Dalmatiner Uratsteine (=Harnsäuresteine). Hiervon sind wiederum ca. 90 % Ammoniumuratsteine. 97% der Steine werden in der Blase gefunden, die restlichen Steine bilden sich in der Niere oder dem Harnleiter.
Was ist bei der Ernährung zu beachten, wenn purinreduziert gefüttert werden soll?     

Es sind also wirklich die Purine das Problem, und nicht generell nur das Protein bzw. der Eiweißgehalt! Man muss immer schauen, woraus sich das Protein zusammensetzt. Bei Problemen gilt also: stark purinhaltige Speisen sollten so gemieden oder nur eingeschränkt gefüttert werden, es muss aber nicht notwendigerweise extrem proteinarm gefüttert werden. Die meisten Hunde werden mit Trockenfutter ernährt. Gute Trockenfutter erkennt man häufig daran, dass die Hersteller die Inhaltsstoffe möglichst detailliert angeben. Eine Prozentangabe der einzelnen Zutaten und eine genaue Aufschlüsselung der Proteinquellen ist jedoch trotzdem meist nicht vorhanden. Der Puringehalt ist nirgends angegeben und kann auch durch die relativ ungenauen Angaben kaum ausgerechnet werden. Somit bleibt nur, ein Trockenfutter auszuwählen, das einen nicht zu hohen Proteingehalt hat (d.h. unter 23%) enthält. Zudem ist ein Trockenfutter zu empfehlen, das als Getreide vor allem Reis oder Weizen als Kohlenhydratlieferant enthält, da diese einen relativ niedrigen Puringehalt haben. Bei Nassfutterfütterung gilt entsprechendes. Hier ist zu beachten, dass der generell niedrigere Rohproteingehalt, der auf den Dosen angegeben ist, durch den im Vgl. zum Trockenfutter deutlich höheren Wassergehalt zustande kommt. Häufig findet man hier umgerechnet auf die Trockensubstanz sogar einen höheren Proteinwert als bei einem zu vergleichenden Trockenfutter. Deshalb sollte man wie beim Trockenfutter besonders auf die Inhaltsstoffe achten und z.B. das Nassfutter durch Milchprodukte oder Getreideflocken mit niedrigem Puringehalt ergänzen. Bei Hunden, die durch BARF (Bones and raw food/biologisch artgerechte Rohfütterung) oder Selbstgekochtes ernährt werden, ist eine purinarme Ernährung mit ein bisschen Hintergrundwissen natürlich besser zu steuern. Hier sollte auf Innereien inkl. Pansen weitgehend verzichtet werden, da diese massiv hohe Purinwerte enthalten. Bzgl. der Proteinquellen können – soweit der Hund dies verträgt – sehr gut Milchprodukte einen Teil des Proteinbedarfs statt Fleisch abdecken, da diese ebenfalls sehr wenig Purine enthalten. Dies gilt auch für Käse, der ja gerne als Leckerchen zwischendurch eingesetzt wird und problemlos gefüttert werden kann. Bei zusätzlicher Getreidefütterung sollte man hier auch auf die Auswahl der Getreidesorten achten. Z.B. sind Buchweizen und Grünkernmehl in Bezug auf den Puringehalt ungeeignet, da sie fast so viel Purin enthalten wie Muskelfleisch. Zu empfehlen sind wie oben bereits gesagt, Weizen, Reis, Roggen oder auch Nudeln. Hülsenfrüchte sollten ebenfalls wegen hoher Werte nicht gefüttert werden (Erbsen, Bohnen, Linsen). Dagegen sind die Unterschiede bzgl. des Puringehaltes von Muskelfleisch verschiedener Tierarten eher zu vernachlässigen. Eine Ausnahme bildet das ebenfalls zum Muskelfleisch zu zählende Herzmuskelfleisch, das einen etwas höheren Puringehalt als das sonstige Muskelfleisch aufweist. Achten sollte man auch auf die Auswahl von Leckerchen für Zwischendurch. Viele dieser Leckereien besitzen hohe Protein- und ggf. auch Purin-werte, ähnlichen denen von Fleisch, so dass auch hier auf die Auswahl genau geachtet werden sollte (Trockenpansen etc).
Müssen „gesunde“, d.h. bis zum aktuellen Zeitpunkt nicht unter Nieren- oder Steinproblemen leidende Dalmatiner purinarm ernährt werden?       
Was wird üblicherweise zur Prophylaxe empfohlen?         

Meines Wissens gibt es hierüber keine verlässliche Studie. Niemand weiß jedoch im Vorhinein, ob sein Dalmatiner Uratsteine bildet oder bilden wird. Fakt ist, dass die Veranlagung hierzu durch den genetischen Defekt bei jedem Dalmatiner besteht.        
Auf Grund dieser Unsicherheit sind auch die Empfehlungen unterschiedlich und reichen von völlig „normaler“ Ernährung bis zur Empfehlung „Proteingehalt im Trockenfutter unter 20 %. Wer sichergehen möchte, sollte regelmäßige Kontrollen des Nüchtern- Urin-PHs (kann durch den Halter selbst durchgeführt werden) sowie Urinsedimentuntersuchungen und laborchemische Untersuchungen der Nierenwerte und Elektrolyte beim Tierarzt durchführen lassen. Der Urin-PH-Wert sollte idealerweise bei 6,5 bis 7,0 liegen. Werte unter 6,5 zeigen einen zu saueren Urin mit erhöhtem Risiko für eine Uratsteinbildung an. Sollten mehrere Messungen den zu sauren Urin bestätigen, sollte eine Umstellung der Ernährung in Absprache mit dem Tierarzt erwogen werden. Bei Werten, die mehrmals über 7,5 liegen, kann als Ursache ein Harnwegsinfekt mit Bakterien vorliegen, manchmal auch in Kombination mit Steinen. Auch hier sollte ein Tierarzt zur genaueren Abklärung konsultiert werden.

Vorbeugend sollte dem Dalmatiner – wie jedem Hund – jederzeit ausreichend frisches Wasser zur Verfügung stehen und idealerweise sollte sich der Hund alle 4 bis maximal 6 Stunden lösen können, um die Blase „auszuspülen“. Zudem gehen die Empfehlungen bzgl. des Zeitpunktes einer Kastration beim Rüden dahin, den Hund nicht vor dem 2. Lebensjahr kastrieren zu lassen, damit die Geschlechtsorgane sich normal entwickeln können und die Harnwege nicht unterentwickelt und klein bleiben. So kann einer Verlegung der Harnröhre durch Blasensteine (Notfall! Wenn der Hund Schmerzen beim Urinieren zeigt oder keinen Urin lassen kann, SOFORT zum Tierarzt!) und letztlich einem Nierenversagen vorgebeugt werden. Die Therapie bereits erkrankter Tiere enthält üblicherweise eine Futterdiät, ggf. in Kombination mit einer medikamentösen Therapie. Meist können auch größere Steine hiermit wieder aufgelöst werden oder so verkleinert werden, dass sie durch die Harnröhre ausgeschieden werden können. In Einzelfällen kann jedoch auch eine Operation unumgänglich sein. Die Therapie von Hunden mit Steinleiden soll in jedem Fa ll von einem Tierarzt geleitet werden.

 


Quellen:
(1) Independent Scientific Review Dalmatian Urinary Uric Acid Assessments Backcross Dalmatian Project, I.B. Krukenkamp, MD, FACS, FAHA, July 5, 2006
(2) Case, L.C., and coauthors: Urolithiasis in Dalmatians: 275 cases (1981-1990), Journal of the American Veterinary Medicine Association 203: 96-100 (July 1) 1993.
(3) The Dalmatian Club of America. Fifteen Years’ Data of almost 3,000 Dalmatian urinary stones. Study Group on Urinary Stones Research Committee Dalmatian Club of America
(4) Veterinary Internal Medicine


 

 

 



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